Impfungen bei Babys und Kindern – 13 Fragen an den Kinderdok

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In welchen Intervallen wird geimpft? Schädigt die Impfung die Vertrauensbeziehung? Und stimmt es, dass Babys nach der Impfung Muskelkater an der Einstichstelle haben? Mami & Papi hat bei einem Kinderarzt nachgefragt…
 

Warum empfehlen Sie Impfungen?

Kinderdok: In der heutigen Medizin gelten Impfstoffe als eine der am besten untersuchten Medikamente, sie werden regelmäßig überprüft und von schädlichen Inhaltsstoffen befreit, wir haben in den heutigen Impfstoffen nur noch einen Bruchteil der Konservierungsmittel und Allergene wie noch vor zehn Jahren. Das senkte die Nebenwirkungsrate, was man auch in der Praxis merkt. Die heutigen Kombinationsimpfstoffe (6x, auch zusammen mit Pneumokokken) haben zu einer klaren Verbesserung der Verträglichkeit geführt. Heutezutage kann man die Kinder pro Jahr, die etwas mehr Nebenwirkungen haben, an einer Hand abzählen. Einen Impfschaden habe ich seit 12 Jahren nicht erlebt, was aber auch der Statistik entspricht.
Dank der konsequenten Impfkampagnen der letzten Jahre und gewissenhafter Eltern und Ärzten sehen wir viele problematische Erkrankungen heute kaum noch: Masern, Epiglottitis, schwere Ohrentzündungen. Impfungen sind ein Erfolg für die Kinder, wer sein Kind mal schwer krank erlebt hat, möchte es vor Krankheiten schützen, und Impfungen tun das sehr sicher.
 

In welchen Intervallen wird geimpft?

Kinderdok: Wir beginnen ab der sechsten bis achten Lebenswoche mit den Impfungen, dies sind die ersten drei Impftermine im Abstand von jeweils einem Monat. Dann ist Pause bis zum ersten Lebensjahr, wo die zweite Runde mit vier Impfterminen folgt – hier muß man nicht zwingend Abstände einhalten, aber es hat sich bewährt, jeweils einen Monat zu warten. Dann ist ein Kind in Deutschland fertig geimpft (ca. 15 – 16. Lebensmonat) und muß erst wieder nach 5 Jahren (Auffrischung zur Einschulung) und im Jugendalter geimpft werden. Den genauen Impfplan findet man unter https://www.kinderaerzte-im-netz.de/bvkj/show.php3?id=139&nodeid=
 

Gibt es Impfungen bei denen die Kosten selbst getragen werden müssen?

Kinderdok: Ja, dazu zählen alle Reiseimpfungen (Hepatitis A, Gelbfieber, Typhus usw.) – hier sollte man sich bei jeder Auslandsreise genau informieren, welche Impfungen empfohlen werden (z.B. für Hepatitis A in Ägypten, Tunesien, Asien usw.). Manche Impfungen werden regional empfohlen (FSME in Süddeutschland), dort übernehmen das die Kassen, wer allerdings aus Norddeutschland anreist, für den gilt FSME als Reiseimpfung.
Auch neue Impfungen, die noch nicht in den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission aufgenommen sind, müssen i.d.R. selbst bezahlt werden, z.B. aktuell die Meningokokken B Impfung. Die Kassen haben allerdings immer die Möglichkeit, per Kostenerstattung das Geld der privat zu zahlenden Impfung (Impfstoffkosten und Arztleistung) zurückzuerstatten. Fragen lohnt also!
 

Was wäre, wenn ich den Impfpass verlieren würde?

Kinderdok: Der Kinder- und Jugendarzt kann einen neuen Impfpass anlegen, er dokumentiert die selbst gegebenen Impfungen in der Karteikarte des Kindes. Sollten Impfungen woanders erfolgt sein, muß man evtl. die verschiedenen Ärzte aufsuchen, damit diese die Impfungen eintragen können. Die Neuausstellung des Impfpasses darf der Arzt berechnen (meist 5 – 10 Euro), immerhin haben die Arzthelferin einige Arbeit damit, die Impfpässe selbst kosten die Praxis auch Geld – und es verstößt gegen Arztrecht, kostenlose Leistungen zu erbringen.
 

Kann es vorkommen, dass ein Kind trotz Impfung nicht immun ist?

Kinderdok: Bei allen durchgemachten Erkrankungen produziert der Körper Antikörper, die ihn vor einer späteren neuerlichen Infektion schützen sollen. Das funktioniert mal besser, mal schlechter, bei manchen Erkrankungen gar nicht.
Bei manchen Impfungen klappt das beinahe hundertprozentig (Meningokokken C, Diphterie, Tetanus usw.), bei anderen, vor allem den Lebendimpfstoffen (Masern, Windpocken) nur annähernd. Außerdem gibt es teilweise Unterformen der Erreger, so genannte Stämme, gegen die der Körper entweder nicht geschützt ist (Pneumokokken), oder aber im besten Fall eine Kreuzimmunität (Grippe) aufbaut. Daher kommt es immer wieder vor, dass Impfungen „nicht wirken“ – aber hier müssen drei Dinge klar festgestellt werden: 1) Diese Fälle sind sehr selten, 2) durchlaufen diese Kinder trotzdem die Erkrankung, läuft diese immer nur sehr abgeschwächt ab, und 3) wenn die Durchimpfung in der Bevölkerung ausreichend hoch ist, können die Wildviren in einer Gruppe nicht mehr zirkulieren, d.h. die Chance, überhaupt mit dem Krankheitserreger in Kontakt zu kommen, ist sehr gering (Herdenimmunität).
Auf Punkt 3) verlassen sich übrigens auch viele Impfgegner – ihre Kinder bekommen die Krankheiten oft nicht, weil alle anderen um sie herum geimpft sind.
 

Mein Kind hat keine Impfung, kann es trotzdem in den Kindergarten?

Kinderdok: Ja, das ist in Deutschland so. Es gibt keine Impfpflicht und damit auch keine Handhabe der staatlichen Kindergärten, einem ungeimpften Kind den Zugang zu Gemeinschaftseinrichtungen zu versagen. Private Einrichtungen können das aber in ihren Statuten verfügen.

Kommt ein Kind bereits ab 1 Jahr (oder früher) in einen Kindergarten, wird empfohlen, die Masernimpfung in den 10. Lebensmonat nach vorne zu verschieben.
 

Muss mein Kind bevor es in den Kontakt mit anderen Kindern kommt geimpft sein?

Kinderdok: Das ist sinnvoll. Insbesondere durch die vorgezogene Aufnahme der Kinder bereits ab 1 Jahr in die Kitas steigt das Risiko der Kleinen, eine imfpräventable Erkrankung von größeren (ungeimpften) Kindern zu bekommen. Dies ist besonders bei Masern unter einem Jahr problematisch: Spätfolgen kommen dann häufiger vor.
Kontakt vor einem Jahr mit Gleichaltrigen (in Krabbelgruppen oder Babyschwimmen) sind eher unproblematisch, da die Kinder noch einen Nestschutz haben.
 

Kann mein Kind gegen Zecken geimpft werden?

Kinderdok: Nein. Gegen Zecken kann man nicht impfen, stechen werden die Zecken trotzdem. Spass beiseite: Es gibt eine Impfung gegen die Frühsommer-Meningoenzephalitis, kurz FSME. Die Durchseuchung der Zecken in den südlichen Bundesländern ist sehr hoch, daher wird für diese Gebiete eine Impfung empfohlen. Sie ist ab einem Jahr zugelassen, wir impfen i.d.R. ab dem 3.Lebensjahr.
 

Hilfe mein Kind wird geimpft. Schädigt die Impfung die Vertrauensbeziehung, wenn man sein Baby von der Impfnadel stechen lassen muss?

Kinderdok: Wieso Hilfe? Glückwunsch, Sie handeln verantwortlich und schützend für Ihr Kind. Wenn, dann wird das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient erschüttert, das dürfte dem Baby aber noch egal sein. Sie als Eltern sind die Tröster und Umsorger, das versteht das Kind.
 

Stimmt es, dass mein Baby nach der Impfung Muskelkater an der Einstichstelle hat?

Kinderdok: Das wird uns kein Baby sagen. Was weh tut, ist die Deponierung des Impfmittels innerhalb des Muskels, von dort wird das Medikament langsam in den Blutkreislauf abgegeben und provoziert die Antikörperbildung. Mehr oder wenig reagiert das Muskelgewebe mit Rötung, Schwellung, auch mal Verhärtung. Das ist unangenehm.
 

Darf ich nach der Impfung meine üblichen Tagesunternehmungen mit Kind machen oder braucht mein Kind Ruhe?

Kinderdok: Sie können alles machen, wie sonst auch. Größere Kinder sollten kein Kinderturnen oder Vereinstraining mitmachen. Freizeitbad oder Spielplatz geht aber immer.
 

Darf ich nach dem Impfen mit meinem Kind schwimmen gehen?

Kinderdok: Ja, außer es handelt sich um Vereinsschwimmen, bei dem das Kind sehr körperlich beansprucht wird.
 

Mein Kind ist erkältet, darf es geimpft werden?

Kinderdok: Eine leichte Erkältung mit Temperatur bis 38,5 Grad C ist unproblematisch. Das Kind kann geimpft werden. Im Zweifelsfall sollte der Kinderarzt das Kind vorher untersuchen. Praktischerweise mache ich das in der Praxis so: Ist der Infekt noch sehr frisch, verschiebe ich gerne die Impfung, rotzelt der Impfling aber schon die zweite Woche (wie so oft im Winter), kann man ohne Probleme impfen.
 

Babyrotz und Elternschiss. Aus der Sprechstunde eines Kinderarztes
Über den Kinderdok:
Kinderdok ist das Pseudonym eines niedergelassenen Kinder- und Jugendarztes, der seit 2006 aus dem Alltag seiner Praxis bloggt. Unter kinderdoc.wordpress.com gibt er zudem Tipps für Eltern im Umgang mit den Kindern, zu Krankheiten, Impfungen und allem anderen rund ums Kind. Er erreicht hierbei eine Anhängerschaft von über 2700 Followern und ca. 100.000 Views/Monat. Im Mai 2013 erschien das „Buch nach dem Blog“ im Eichborn Verlag: „Babyrotz und Elternschiss. Aus der Sprechstunde eines Kinderarztes.“ (https://www.luebbe.de/Eichborn/Details/Id/978-3-8479-0533-2)

 

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