4. Schwangerschaftswoche (SSW)

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In der SSW 4 ist der Embryo in der Gebärmutter angekommen. Seine Einnistung in die Gebärmutterschleimhaut – die sogenannte Nidation – erfolgt in dieser Woche. Sie selbst werden jetzt sehr wahrscheinlich die ersten Schwangerschaftsanzeichen verspüren. Am Ende der SSW 4 haben Sie möglicherweise schon Gewissheit darüber, ob Sie schwanger sind.

Die SSW 4 ist die bisher spannendste Woche Ihrer Schwangerschaft. Falls in der Mitte Ihres Monatszyklus eine Empfängnis stattgefunden hat, sind Sie am Anfang dieser Woche etwa sieben Tage schwanger. Ihr Baby hat sich von der Zygote zur Keimblase entwickelt – der Embryo ist jetzt bereits in der Gebärmutter angekommen. Wenn er auch die Einnistung in die Uterusschleimhaut bewältigt, haben Sie am Ende der SSW 4 eine der wichtigsten Hürden der frühen Schwangerschaft genommen. Möglicherweise verspüren Sie in dieser Woche verschiedene, allerdings noch unspezifische und unsichere Zeichen für eine Schwangerschaft. Am Ende der SSW 4 liegt außerdem Ihr normales Zyklusende. Falls Sie sich ein Baby wünschen, beschäftigt Sie die Frage, ob Ihre Periode ausbleibt oder doch noch kommt, vermutlich während der gesamten Woche.

Die Nidation – das Baby findet seinen Platz in Ihrem Körper

Nachdem der Embryo die Gebärmutter erreicht hat, kann es bis zur Einnistung in die Uterusschleimhaut noch bis zu drei Tagen dauern. Die Keimblase besteht bis jetzt aus zwei verschiedenen Zelltypen – den Embryoblasten, aus denen sich der Körper Ihres Kindes bilden wird und den Trophoblasten, aus denen die Plazenta und die Nabelschnur entstehen. Während der Nidation heften sich die Trophoblasten an die Schleimhaut der Gebärmutter an. Sie bilden hierfür sogenannte proteolytische Enzyme, die dazu dienen, die Strukturproteine der oberen Schleimhautschichten aufzulösen.

Bis zum Ende der SSW 4 bohrt sich der Embryo vollständig in die Schleimhaut ein und wird von neu gebildetem Schleimhautgewebe bedeckt. Im Hohlraum der Keimblase bilden sich zwischen den außen liegenden Trophoblasten und den Embryoblasten die Fruchthöhle sowie der sekundäre Dottersack, der rote Blutkörperchen produziert und in den nächsten Wochen die Versorgung des Babys übernimmt. Für die Ernährung und den Abtransport von Stoffwechselprodukten spielt der Dottersack erst nach der zwölften Schwangerschaftswoche keine Rolle mehr – diese Funktionen werden danach von der Plazenta übernommen. An der Blutbildung sowie bestimmten Stoffwechselprozessen wird er jedoch noch bis zum fünften Schwangerschaftsmonat beteiligt sein. Danach löst er sich auf und wird vom Körper absorbiert.

Unmittelbar nach der Nidation beginnt die Entwicklung der Plazenta und der Nabelschnur. Vorerst dockt der Embryo an den mütterlichen Blutkreislauf an, indem sich die Trophoblasten mit Kapillarvenen in der Gebärmutterwand verbinden. Bereits in der kommenden Woche wird die entstehende Plazenta diese Aufgabe übernehmen. Bis zum Ende der SSW 4 ist die Nidation vollständig abgeschlossen – das Baby hat bis zur Geburt in Ihrem Körper seinen Platz gefunden.

Eine Nidationsblutung zeigt manchmal die Eieinnistung an

Während der Implantation der befruchteten Eizelle in den Uterus kann es zur Eröffnung feiner Blutgefäße kommen. Hierdurch wird manchmal eine leichte vaginale Blutung ausgelöst, die sich allerdings längst nicht bei allen schwangeren Frauen zeigt oder so unmerklich ist, dass sie übersehen wird. Da sie in die Woche vor dem Zyklusende fällt, wird die sogenannte Nidationsblutung oft als etwas verfrüht einsetzende Menstruationsblutung missdeutet. Beide lassen sich jedoch recht einfach voneinander unterscheiden. Die Nidationsblutung erreicht niemals die Stärke einer Monatsblutung, sondern macht sich lediglich als leichte Schmierblutung bemerkbar, die meist schon nach wenigen Stunden wieder aufhört. Zum Teil wird sie von leichten ziehenden Schmerzen im Unterleib begleitet, die oft zunächst als „Monatsschmerz“ gedeutet werden.

Ihr Baby in der SSW 4 – die Zellstrukturen differenzieren sich weiter aus2>

In der SSW 4 erreicht Ihr Baby lediglich die Größe eines Samenkorns, trotzdem hat es in den letzten Tagen bereits eine immense Entwicklung hinter sich gebracht. In dieser Schwangerschaftswoche differenzieren sich seine Zellstrukturen weiter aus.

Bis zum Beginn der SSW 4 waren die Zellen der Keimblase pluripotent – der Begriff bedeutet, dass sich aus jeder einzelnen Zelle zumindest theoretisch jeder beliebige Zelltyp und sämtliche Organe entwickeln könnten. Jetzt setzt auf zellulärer Ebene eine feingewebliche Spezialisierung ein. Aus den Trophoblasten entsteht das vorgeburtliche Versorgungssystem des Kindes. Gleichzeitig wandelt sich die bisherige Keimblase in eine rundliche Keimscheibe um, die zuerst aus zwei und bald darauf aus drei Keimblättern mit jeweils spezifischen Zelltypen besteht:

  • Aus dem inneren Keimblatt (Entoderm) entwickeln sich die meisten inneren Organe. Seine Zellen bilden unter anderem die Grundlage für die Entstehung von Lunge, Leber, des Verdauungstraktes sowie von Bauchspeicheldrüse, Harnröhre und Blase.
  • Aus den Zellen des mittleren Keimblattes (Mesoderm) entstehen Herz, Blutgefäße und das Lymphsystem, die glatte Muskulatur der inneren Organe, Nieren, Milz, Keimdrüsen und die inneren Geschlechtsorgane sowie Bindegewebe und Skelett.
  • Aus dem äußeren Keimblatt (Ektoderm) bilden sich das Nervensystem sowie Haut und Sinnesorgane.

Ab jetzt ist ein Schwangerschaftsnachweis durch einen Bluttest möglich

Durch einen Bluttest kann die Schwangerschaft jetzt bereits sicher nachgewiesen werden. Ab dem Zeitpunkt der Nidation steigt die Blutkonzentration von HCG stark und kontinuierlich an. Im Urin der Schwangeren wird das Hormon durch handelsübliche Schwangerschaftstests erst etwa eine Woche später messbar.

HCG spielt bei der Steuerung der hormonellen Umstellung in der frühen Schwangerschaft eine maßgebliche Rolle. Seine Produktion wird zu Beginn der Nidation durch den Kontakt der Trophoblasten mit der Gebärmutterschleimhaut intensiviert. HCG stimuliert wiederum die Progesteron-Ausschüttung durch den Gelbkörper – also den im Eierstock verbleibenden Follikelrest. Progesteron ist unverzichtbar für den Erhalt der Schwangerschaft. Unter anderem bereitet es die Gebärmutterschleimhaut auf die Eieinnistung vor, ist an der schwangerschaftsbedingten Unterbrechung des Menstruationszyklus beteiligt und lockert die Körpergewebe auf, so dass das ungeborene Kind Raum für sein Wachstum findet.

Das Maximum der HCG-Konzentration wird zwischen der achten und zehnten Schwangerschaftswoche erreicht, danach nimmt sie – und die Bedeutung von HCG als Progesteron-Stimulator – allmählich ab. Die Progesteron-Produktion wird dann von der nun fast ausgereiften Plazenta übernommen.

Ab der kommenden Woche kann Ihre Schwangerschaft auch durch eine Ultraschalluntersuchung nachgewiesen werden. Während der Erstuntersuchung in der Schwangerschaft werden Sie daher einen sehr bewegenden Moment erleben, wenn Sie Ihr Baby auf dem Bildschirm des Untersuchungsgerätes sehen und seine ersten Ultraschallbilder in den Händen halten.

Die ersten Schwangerschaftsanzeichen machen sich bemerkbar

Sehr wahrscheinlich machen sich in der SSW 4 die ersten, allerdings noch unsicheren Schwangerschaftsanzeichen bemerkbar. Im Nachhinein berichten viele Mütter, dass sie die ersten Signale des neuen Erdenbürgers sehr früh gespürt, aber sie zunächst nicht richtig einordnen konnten. Ob Sie sie richtig deuten, hängt sicher auch davon ab, ob Sie derzeit Ihr Wunschkind planen und einer Schwangerschaft entgegenfiebern oder mit diesem freudigen Ereignis eigentlich nicht gerechnet haben.

Ihr hormoneller Status verändert sich vom Moment der Empfängnis an. In den folgenden Wochen hat Ihr Körper Schwerarbeit zu leisten, um die Umstellung auf die Schwangerschaft zu bewältigen und für das werdende Leben optimale Bedingungen zu schaffen.

Müdigkeit, Übelkeit, Veränderungen von Geruchs- und Geschmackssinn

Das allererste Anzeichen einer Schwangerschaft besteht oft in starker Müdigkeit oder regelrechten Erschöpfungszuständen, die durch das Schwangerschaftshormon Progesteron verursacht werden.
In der SSW 4 können sich außerdem die ersten Übelkeitsattacken melden. Ihr Auslöser ist die steigende HCG-Konzentration im Körper, ihren Höhepunkt erreichen sie meist um die achte Schwangerschaftswoche. Unter der Schwangerschaftsübelkeit – die übrigens keineswegs nur morgens auftritt – haben nicht alle werdenden Mütter in gleichem Maß zu leiden. Manche Frauen sind sehr stark davon betroffen, andere befällt allenfalls ein gelegentliches Unwohlsein.

Vielleicht reagieren Sie jetzt auf bisherige Lieblingsspeisen, Kaffee oder Tee mit Ablehnung und Übelkeit. Auch Heißhungerattacken – möglicherweise auf recht ungewöhnliche Lebensmittelkombinationen – sind in der frühen Schwangerschaft nicht ungewöhnlich. Außerdem werden Sie die Erfahrung machen, dass Sie jetzt und in den kommenden Wochen Geruchs- und Geschmacksaromen deutlich intensiver spüren.

Verstärkter Harndrang wird Sie ab jetzt durch die gesamte Schwangerschaft begleiten. Derzeit ist er hormonell bedingt, später wirken sich hier auch das wachsende Gewicht der Gebärmutter und des Babys aus.

Das Ausbleiben der Periode ist kein sicheres Anzeichen der Schwangerschaft

Zu den frühen „Schwangerschaftssymptomen“ gehören außerdem Veränderungen der Brüste, die in der SSW 4 oft bereits schmerzhaft spannen und sehr berührungsempfindlich sind. Zwar erleben viele Frauen solche Empfindungen auch kurz vor dem Einsetzen ihrer Periode, jedoch sind sie dann meist deutlich schwächer ausgeprägt.

Für sich genommen ist das Ausbleiben der Menstruation kein sicheres Anzeichen für eine Schwangerschaft, zusammen mit anderen schwangerschaftstypischen Beschwerden kann es jedoch ein recht deutlicher Hinweis darauf sein. Wenn am Ende der SSW 4 keine Monatsblutung einsetzt, ist auf jeden Fall die Zeit für einen Besuch beim Frauenarzt gekommen.

Was ist in der SSW 4 wichtig?

  • In der SSW 4 nistet sich die befruchtete Eizelle in die Gebärmutter ein. Dabei kann es zu einer sogenannten Nidationsblutung kommen. Sie macht sich lediglich als leichte Schmierblutung bemerkbar und kann von ziehenden Schmerzen begleitet sein.
  • Der Embryo erreicht in dieser Woche die Größe eines Samenkornes. In der SSW 4 setzt sich seine zelluläre Differenzierung fort. Die Keimblase entwickelt sich jetzt zur Keimscheibe mit drei Keimblättern weiter, deren spezialisierte Zellstrukturen zur Grundlage der Organentwicklung werden.
  • Aus den Trophoblasten entwickelt sich mit der Plazenta und der Nabelschnur das Versorgungssystem des Babys.

Unsere Tipps für die SSW 4:

  • In der SSW 4 ist die Schwangerschaft durch einen Bluttest bereits sicher nachweisbar.
  • Möglicherweise stellen sich jetzt die ersten Schwangerschaftsbeschwerden ein. Gönnen Sie sich die Ruhe, die Sie brauchen und finden Sie für sich persönlich einen guten Rhythmus.
  • Übelkeitsattacken lassen sich durch mehrere kleine Mahlzeiten und den Verzicht auf schwere oder scharf gewürzte Speisen mildern.
  • Auch wenn Sie sich auf Ihr Baby freuen, wird der Beginn der Schwangerschaft einige seelische Turbulenzen nach sich ziehen. Gut ist, wenn Sie eine nahestehende Person ins Vertrauen ziehen können, die Sie in dieser Phase unterstützt.
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