3. Schwangerschaftswoche (SSW)

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In der SSW 3 – der dritten Schwangerschaftswoche – beginnt Ihre reale Schwangerschaft, sofern nach dem Eisprung in der Zyklusmitte eine Befruchtung stattgefunden hat. Sehr wahrscheinlich merken Sie selbst davon noch nichts. Jedoch leistet Ihr Körper ab jetzt intensive Arbeit für den Erhalt der Schwangerschaft. Die befruchtete Eizelle wandert in dieser Woche aus dem Eileiter in den Uterus.

Falls Sie einen Zyklus von 28 Tagen haben, sind Sie zu Beginn der SSW 3 bereits schwanger. Bei kürzeren oder längeren Zyklen hat Ihre Schwangerschaft möglicherweise bereits in der vergangenen Woche begonnen oder tritt im Laufe dieser Woche ein. Zur Erinnerung: In der SSW 3 befinden Sie sich, weil die ersten beiden Schwangerschaftswochen für Ärzte und Hebammen eine reine Rechengröße sind, da sich der Eisprung, der Zeitpunkt der Befruchtung und damit der Termin des Schwangerschaftsbeginns nur in den seltensten Fällen exakt ermitteln lassen. Aus diesem Grund wird der Beginn der Schwangerschaft auf den ersten Tag der letzten Periode datiert – 40 Wochen später kommt voraussichtlich Ihr Baby auf die Welt. Ab dem Zeitpunkt der Befruchtung dauert es bis zur Geburt etwa 38 Wochen.

Ist die Schwangerschaft jetzt schon feststellbar?

Wenn Sie sich ein Baby wünschen, ist die Frage, ob Sie wirklich schwanger sind, in dieser und der nächsten Woche vermutlich die „Frage aller Fragen“. Gewissheit darüber erhalten Sie in der SSW 3 und möglicherweise auch in der SSW 4 jedoch noch nicht. Viele Frauen mit Kinderwunsch reagieren auf Veränderungen ihres Körpers und ihres Befindens sehr sensibel – später geben sie an, dass sie vom ersten Moment an wussten, dass sie schwanger waren. In den nächsten Tagen werden sich auch bei Ihnen die ersten, noch unspezifischen Schwangerschaftsanzeichen melden. Möglicherweise verspüren Sie bereits in der SSW 3 eine bleierne Müdigkeit, die bis zu regelrechter Erschöpfung reichen kann. Ihr Auslöser ist das Schwangerschaftshormon Progesteron, das ab dem Zeitpunkt der Befruchtung in großen Mengen produziert wird, um die Schleimhaut des Uterus auf die Aufnahme der befruchteten Eizelle vorzubereiten.

Sicher nachgewiesen kann die Schwangerschaft jedoch erst dann, wenn der Spiegel des Schwangerschaftshormons HCG (Humanes Choriongonadotropin) hoch genug ist, um sie im Blut oder im Urin der Schwangeren nachzuweisen. Zwar setzt die Produktion von HCG ebenfalls zeitgleich mit der Befruchtung ein – in größeren Mengen wird dieses Hormon jedoch erst ausgeschüttet, wenn die Einnistung der befruchteten Eizelle in die Gebärmutter (Nidation) erfolgt ist. Bis dahin dauert es jedoch noch eine knappe Woche.

Sind Schwangerschaftsfrühtests wirklich sinnvoll?

Ein Bluttest durch den Arzt liefert spätestens gegen Ende der SSW 4 ein zuverlässiges Ergebnis, da die Konzentration von HCG im Blut sehr schnell einen messbaren Wert erreicht. Herkömmliche Schwangerschaftstests aus der Apotheke reagieren auf das Vorhandensein von HCG im Urin – der Aufbau einer messbaren HCG-Konzentration dauert hier etwas länger. Die Tests schlagen daher oft erst in der fünften Schwangerschaftswoche – also nach dem Ausbleiben der Regelblutung – an. Daneben werden inzwischen auch sogenannte Schwangerschaftsfrühtests angeboten, die so sensibel sind, dass sie das Vorhandensein einer Schwangerschaft bereits im Laufe der dritten Schwangerschaftswoche relativ zuverlässig melden.

Ob Sie einen solchen Schwangerschaftsfrühtest in Anspruch nehmen möchten, müssen Sie selbst entscheiden. Möglicherweise ist Ihre Freude über ein positives Testergebnis zunächst sehr groß – wenn Sie den Test nach einigen Tagen wiederholen, wird jedoch keine Schwangerschaft mehr angezeigt. In den ersten Tagen und Wochen einer Schwangerschaft gilt das Alles-oder-Nichts-Prinzip: Wenn mit dem Embryo etwas nicht in Ordnung ist oder seine Einnistung in die Gebärmutter nicht erfolgreich ist, hat er keine Überlebenschance. In einem solchen Fall setzt der reguläre Zyklusablauf wieder ein. Die Ausschüttung der schwangerschaftserhaltenden Hormone wird abgebrochen, am Ende der nächsten Woche endet der Zyklus mit einer normalen Regelblutung.

Was geschieht unmittelbar nach der Befruchtung?

In der SSW 3 ist Ihr Baby noch nicht einmal einen Millimeter groß, sondern zunächst „nur“ eine Ansammlung von Zellen, die sich in den nächsten Tagen immer stärker differenzieren wird. Unmittelbar nach der Befruchtung ändert sich die Struktur der äußeren Hülle der Eizelle – sie wird zur sogenannten Zona pellucida, die das Eindringen weiterer Spermien verhindert. Unmittelbar nach dem Eindringen des Spermiums bildet die Eizelle einen weiblichen und einen männlichen Vorkern aus. Die beiden Zellkerne werden bald zu einem vollständigen zweifachen (diploiden) Chromosomensatz verschmelzen. In der medizinischen Terminologie heißt die befruchtete Eizelle in diesem Stadium „Zygote“ – in den folgenden Tagen wird sie sich zum Embryo entwickeln.

Mädchen oder Junge?

Die Zygote enthält alle Erbinformationen Ihres soeben gezeugten Kindes. Dessen Geschlecht, Haar- und Augenfarbe und viele andere genetisch bedingte Eigenschaften stehen bereits zu diesem Zeitpunkt fest. Das Geschlecht des Babys wird durch das Erbgut des männlichen Parts bestimmt.
Eizelle und Spermium bringen jeweils 23 Chromosomen mit. Bei diesen handelt es sich um Makromolekülkomplexe, die in Protein verpackt sind und alle Erbinformationen enthalten. Die Eizelle trägt grundsätzlich ein X-Chromosom, während die Samenzelle ein X- oder ein Y-Chromosom besitzen kann. Wenn während der Zeugung zwei X-Chromosomen zusammentreffen, wird das künftige Kind ein Mädchen. Ein Junge entsteht, wenn das Spermium über ein Y-Chromosom verfügt.

Wenn Sie das Geschlecht Ihres Kindes vor der Geburt erfahren möchten, werden Sie darauf allerdings noch einige Monate warten müssen. Mit etwas Glück lässt es sich während der Ultraschalluntersuchung bereits in der 12. oder 13. Schwangerschaftswoche bestimmen, wobei das Ergebnis zu diesem Zeitpunkt nicht immer zuverlässig ist. Spätestens in der Mitte Ihrer Schwangerschaft werden Sie jedoch Gewissheit haben, ob ein Mädchen oder ein Junge unterwegs ist. Eine Chromosomenuntersuchung zur Geschlechtsbestimmung wird nur vorgenommen, wenn sie im Rahmen der pränatalen (vorgeburtlichen) Diagnostik nötig ist, um genetisch bedingte Risiken oder Schädigungen des Kindes zu erkennen.

Von der Zygote zur Morula

Bei der Zygote handelt es sich zunächst um eine einzelne Zelle, deren Zellteilung nach etwa 24 Stunden einsetzt. Sie wird damit zum Ausgangspunkt von Milliarden weiterer Zellen. Am zweiten Tag nach der Befruchtung besteht Ihr Baby aus vier, am dritten Tag aus acht Zellen. Damit hat die befruchtete Eizelle das sogenannte Morula-Stadium erreicht. Der lateinische Begriff bedeutet „Maulbeere“ – er wird verwendet, weil das Erscheinungsbild des Zell-Clusters jetzt der Frucht des Maulbeerbaumes gleicht.

Die Differenzierung der kindlichen Zellen beginnt am vierten Tag nach der Befruchtung

Einen Tag später bildet sich im Inneren der Zellansammlung ein Hohlraum aus. Die Zygote ist zur Keimblase (Blastozyste) geworden. Jetzt setzt auch die Differenzierung der kindlichen Zellen ein: Die Keimblase besteht nicht mehr aus einem einzigen Zelltyp, sondern aus Embryoblasten und Trophoblasten. Die Embryoblasten sind die zellulären Vorläufer aller Körpergewebe des Kindes, entwickeln sich also ab jetzt zum Embryo. Bis zur vollständigen Ausbildung aller Organanlagen wird das ungeborene Kind mit diesem wissenschaftlichen Begriff bezeichnet. Bis zum Ende der neunten Schwangerschaftswoche ist die Entwicklung der Organanlagen abgeschlossen – Ihr Baby hat sich damit zum Fötus (oder Fetus – vom lateinischen Wort für „Brut“ oder „Nachkommenschaft“) entwickelt. Bis zur Geburt wird es aus der medizinischen Perspektive diesen „Namen“ tragen.

Der zweite, außen liegende Zelltyp der Keimblase sind die Trophoblasten, aus denen der Mutterkuchen und die Nabelschnur entstehen. Die Plazenta besteht sowohl aus mütterlichem als auch aus embryonalem Gewebe. Sie übernimmt die Versorgung des ungeborenen Kindes mit Nährstoffen und Sauerstoff und sorgt für den Abtransport seiner Stoffwechselprodukte. Außerdem produziert sie Hormone und übernimmt wichtige Schutzfunktionen für den kindlichen Organismus. Voll ausgebildet und funktionsfähig wird die Plazenta erst gegen Ende des ersten Schwangerschaftstrimesters sein. Bis zur Geburt passen sich ihre Funktionen danach den speziellen Bedürfnissen des Kindes in den verschiedenen Schwangerschaftsetappen an. Mit der Plazenta ist das Baby durch die Nabelschnur verbunden.

Nach der Einnistung in die Gebärmutterschleimhaut wird aus dem Hohlraum in der Keimblase die Fruchthöhle entstehen. Bereits jetzt ist er mit Flüssigkeit gefüllt, die vorerst der Ernährung des Embryos dient und der Vorläufer des Fruchtwassers ist. Die Keimblase ist von innen mit einem bestimmten Zelltyp ausgekleidet. Diese Zellschicht dient als primärer Dottersack, der sowohl für die Versorgung als auch für den Stoffwechsel des Embryos wichtig ist. Nach der Nidation bildet sich daraus der sogenannte sekundäre Dottersack, der das einzige Versorgungsorgan des Babys ist, bis die Plazenta ihre Arbeit aufnimmt. Bis zur Funktionsfähigkeit der Leber im fünften Schwangerschaftsmonat hat er danach noch einige Stoffwechselfunktionen inne. Außerdem ist er die Quelle für die Stammzellen des Knochenmarkes, aus denen die blutbildenden Zellen entstehen.

Die befruchtete Eizelle wandert in den Uterus

Die Befruchtung der Eizelle findet fast immer noch im Eileiter statt, eine Befruchtung in der Gebärmutter ist äußerst selten. Danach wandert die Eizelle in den Uterus, den sie nach sechs bis sieben Tagen – also am Ende der SSW 3 oder zu Beginn der SSW 4 – erreicht. Manche Frauen verspüren in der SSW 3 einen leichten, ziehenden Schmerz im Unterleib, der möglicherweise als ein Hinweis des Körpers auf die Wanderung der Eizelle gedeutet werden kann. Wenn die befruchtete Eizelle bzw. die Keimblase in der Gebärmutter ankommt, besteht sie aus etwa 80 bis 100 Zellen – damit hat das Embryonalstadium endgültig begonnen.

Die Nidation – sensible Phase in der frühen Schwangerschaft

Der nächste Schritt – die Nidation – ist eine der sensibelsten Phasen im Verlauf der frühen Schwangerschaft. Kurz zuvor ist der Embryo besonders anfällig für äußere Schädigungen, jetzt und während der Nidation entscheidet sich, ob die Schwangerschaft erhalten bleibt. Hier kommt auch ein wichtiger natürlicher Schutzmechanismus zum Tragen. Falls Sie unmittelbar vor dem Beginn der Schwangerschaft oder in der SSW 3 Kontakt zu Schadstoffen hatten, brauchen Sie nicht befürchten, dass daraus Schädigungen Ihres Babys resultieren können – die Nidation bewältigen aufgrund natürlicher Auswahlmechanismen ausschließlich gesunde Embryonen.

Was ist in der SSW 3 wichtig?

  • In der SSW 3 hat die Schwangerschaft nicht nur rechnerisch, sondern auch real begonnen. Bis zur Geburt Ihres Babys wird es von jetzt an etwa 38 Wochen dauern.
  • Unmittelbar nach der Befruchtung erfolgt die Verschmelzung der mütterlichen und väterlichen Erbanlagen. Hierdurch werden alle Erbanlagen Ihres Babys festgelegt. Ob Ihr Kind ein Mädchen oder ein Junge wird, entscheidet sich ebenfalls bereits zum Zeitpunkt der Befruchtung.
  • Im Verlauf der SSW 3 entwickelt sich die befruchtete Eizelle (Zygote) erst zur Morula und anschließend zur Keimblase (Blastozyste) weiter. Die Zellen der Keimblase haben sich bereits in zwei verschiedene Zelltypen differenziert. Aus den Embryoblasten sind die eigentlichen Embryonalzellen, aus denen alle kindlichen Körpergewebe entstehen. Aus den Trophoblasten bilden sich die Plazenta und die Nabelschnur.
  • In dieser Woche wandert die befruchtete Eizelle aus dem Eileiter in den Uterus, den sie nach etwa sechs bis sieben Tagen erreicht. Bereits seit dem Eisprung bereiten das Schwangerschaftshormon Progesteron und verschiedene andere Hormone die Gebärmutterschleimhaut auf die Aufnahme der Eizelle vor.

Unsere Tipps für die SSW 3:

  • Möglicherweise macht sich der Beginn Ihrer Schwangerschaft in dieser Woche durch bleierne Müdigkeit bemerkbar, die durch das Schwangerschaftshormon Progesteron verursacht wird.
  • Spätestens jetzt wird eine gesunde Lebensweise wichtig. Sobald die Nidation erfolgt ist, können Schadstoffe und Genussgifte zu unmittelbaren Gefahren für Ihr Baby werden.
  • Essen Sie Lebensmittel, die viel Folsäure enthalten – beispielsweise Vollkornprodukte, Nüsse, Brokkoli, Rote Bete, grünes Blattgemüse, Beerenobst und Spargel. Das Vitamin ist insbesondere für die Entwicklung des Nervensystems Ihres Babys, aber auch für Ihr eigenes Wohlbefinden wichtig. Am besten verwenden Sie ein Folsäure-Präparat als Nahrungsergänzungsmittel.
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